5 Thesen für die Fertigungswelt der Zukunft. Ein Blick in die Glaskugel.

Veröffentlicht von Simon Tüchelmann am 18. Januar, 2017.

Heute hatte ich einfach große Lust, 5 Thesen für die Zukunft der Fertigungswelt aufzustellen und dann wie ein Wahrsager oder Zauberer darauf zu warten, ob diese Thesen in 30–40 Jahren eintreten werden.

Die Fertigungswelt befindet sich momentan im größten Wandel ihrer Geschichte (Industrie 4.0, Digitalisierung, Mass Customization, Additive Manufacturing, Künstliche Intelligenz, Roboter der 3. Generation, On-demand manufacturing) und viele Dinge werden sich radikal verändern. Soviel kann ich schon mal verraten, es hat mir extrem viel Spaß gemacht!!

1. ERP & CRM-Systeme werden endlich intelligent, vernetzt und automatisieren viele Arbeitsschritte.

Viele Millionen von talentierten und motivierten Menschen machen stumpfe Arbeit (monkey business) mit dummen Systemen! Unsere Systeme sind Insellösungen in einer komplett vernetzen Welt. Die Klasse 5a aus Waldorf-Häslach (liegt irgendwo im Schwäbischen) ist besser vernetzt als die Supply-Chain von Mercedes Benz. Wir verschwenden tausende wertvolle Menschenleben damit, Schnittstellen manuell zu pflegen und irgendwelche Inputs in unsere dummen Systeme reinzuhacken.

In der Zukunft wird das nicht mehr notwendig sein. Menschen dürfen endlich wieder ihr volles Potential entfalten (bitte aber vorher das Bedingungslose Grundeinkommen einführen!), denn die Systeme sind vernetzt. Schnittstellen automatisiert und die Systeme können lernen intelligente Entscheidungen zu treffen. Damit werden Sales-Forecast nicht mehr durch Wunschdenken sondern statistische Auswertung von Millionen von Datenpunkten erstellt. Lagerbestände können reduziert werden; Kapazitäten effizienter ausgelastet und die Kosten um Faktor 2–3 gesenkt werden.

2. Losgröße 1 wird zum Standard.

Die Individualisierung wird weiter voran getrieben, Losgröße 1 wird zum Standard und viele Fertigungsverfahren müssen sich neu erfinden. Man wird Roboter beibringen können, sich selbst zu programmieren, sodass niemand mehr für jeden Produktwechsel ein neue Roboter-Programm schreiben muss. Rüstzeiten werden immer kürzer.

3. Local for Local Produktion und Zero-Inventory.

Bauteile werden dort produziert, wo der Bedarf ist. Die Logistik wird sich auf die “letzte Meile” konzentrieren und Lagerbestände werden so gut wie abgeschafft. Die System (s. Systeme) lösen automatisch eine Bestellung aus, wenn Bedarf vorhanden ist bzw. wenn Bedarf antizipiert werden kann. Ressourcen werden nur dann eingesetzt wenn sie gebraucht werden.

4. Ersatzteile werden dort produziert wo sie benötigt werden

Das Gleiche gilt natürlich für Ersatzteile. Flugzeuge fallen nicht mehr Tagelang aus, nur weil ein Bauteil von Toulouse oder Seattle durch die Welt geflogen werden muss. Die Qualitätssicherung (s. 4.) wird radikal anders.

5. Qualitätssicherung und Anforderungen werden komplett neu definiert.

Wenn LLE eintrifft, dann gehören lange und manuelle erstellte Erstmusterprüfberichte, Prozesse und Lieferanten-Audits vor einer Bestellung der Vergangenheit an. Ich glaube es gibt in der Zukunft für jedes Teil ein Qualitätsbericht, der aus einem 3D-Scanner für die Maße sowie den exakten Produktionsdaten besteht und automatisch erstellt wird. Jedes Bauteil bekommt eine Chip (z.B. RFID) und kann immer lokalisiert werden. Qualitätsstandards werden harmonisiert und es wird eher Software und Programm Audits geben, die natürlich wiederum von intelligenten Systemen überwacht werden.

Für die Fertigungswelt bedeutet dieser Wandel eine große Chance sich neu aufzustellen und zu positionieren. Die reine Reduzierung der Stückkosten über billige Arbeitskräfte wird meines Erachtens nicht der erfolgs-versprechende Weg sein.
Ich bin sehr gespannt auf eure Meinung und denke, dass viele weiter Aspekte hinzukommen werden, die heute noch nicht abzusehen sind. Dies ist nur der Anfang!

One last thing

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Simon Tüchelmann
Simon TüchelmannCo-Founder & CEO bei kreatize GmbH.

By |2018-04-26T11:59:59+00:00Januar 18th, 2017|On-Demand Manufacturing, Robots|