Intelligenter Algorithmus verkürzt Angebotsbearbeitung.

Veröffentlicht von Simon Tüchelmann am 22. November, 2016.

Innovations- und Produktlebenszyklen werden immer kürzer, zugleich nimmt der Innovationsdruck zu. So werden in der Automobilindustrie immer schneller neue Modelle und benötigte Bauteile entwickelt. Und die Autobauer erwarten verbindliche Angebote der Zulieferer innerhalb weniger Tage. Dies setzt vor allem kleine und mittelständische Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie als Lieferanten für technische Bauteile oder Maschinen unter Druck. Ein intelligenter Algorithmus kann hierbei Abhilfe schaffen.

Von SIMON TÜCHELMANN, CEO von KREATIZE GmbH.

Lieferanten können auf der B2B-Plattform von KREATIZE ein eigenes Firmenprofil erstellen.

DIE ANGEBOTSBEARBEITUNG mit Herstellbarkeitsanalyse, Kostenkalkulation und Produktionsplanung stellt eine besondere Herausforderung für die verarbeitendeIndustrie dar. Der Prozess ist zeitaufwendig und personalintensiv: angefangen bei der Prüfung der Geheimhaltungsvereinbarung, über die Beschaffung der Informationen des Projekts bis hin zur Machbarkeitsanalyse, Kostenkalkulation und Festlegung des Liefertermins. Trotzdem erwartet der Kunde eine schnelle Antwort. Laut einer Umfrage von dauert der gesamte Angebotsprozess im Durchschnitt 21 Arbeitstage bei einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von acht Stunden. Nach Aussage der Fertigungsdienstleister erfolgt der Prozess hauptsächlich manuell mit Hilfe von rudimentären Programmen, wie Excel oder andere Insellösungen, zum Beispiel Costing-Lösungen in CAD-Programmen. Diese funktionieren allerdings nur mit einer umfangreichen Datenbank, über die die meisten Firmen nicht verfügen. Ein unhaltbarer Zustand aus Sicht des Lieferanten, aber auch des Kunden. Für den Lieferanten, der laut Umfrage nur rund fünf Prozent seiner Angebote in Aufträge umwandeln kann, ergeben sich dadurch Auftragsgewinnungskosten von bis zu 12.000 Euro. Hierbei liegt ein Stundensatz von 75 Euro inklusive aller Lohnnebenkosten und Bürokosten zugrunde, was Angebotsbearbeitungskosten von 600 Euro verursacht. Bei einer Auftragsgewinnungsquote von fünf Prozent entspricht dies 12.000 Euro pro gewonnenem Auftrag. Aber auch für den Kunden entstehen zusätzliche Kosten, denn die Dauer von 21 Arbeitstagen verzögert ein angefragtes Projekt unnötig. Es fehlen also Softwarelösungen, die von der Anfrage des Kunden bis zur Angebotserstellung alle wichtigen Anwendungen abdecken.

Die Digitalisierung der Angebotsbearbeitung

Mit diesem Problem steht die verarbeitende Industrie heutzutage quasi alleine da. Andere Branchen haben die Automatisierung mithilfe digitaler Prozesse bereits vollzogen. So ist es heute eine Selbstverständlichkeit, die Verfügbarkeit von Flügen oder Hotelzimmern online anzufragen und sofort buchen zu können. Und selbst scheinbar komplizierte Optimierungsprozesse im Bereich Logistik oder Taxigewerbe sind mittlerweile digitalisiert und bieten ungeahnte Effizienzpotenziale. So sind beispielsweise die Routen-Allokationsalgorithmen von Taxi-Apps, wie Uber oder mytaxi, fast 60 Prozent effizienter als die manuellen Prozesse in traditionellen Taxizentralen (Quelle:Cramer & Krueger, 2016). Dies führt zu einem deutlich erhöhten Nutzen für Anbieter und Kunden. Für den Kunden reduziert sich die Wartezeit um 50 Prozent und die Fahrtkosten werden durch die höhere Auslastung reduziert. Der Anbieter hingegen kann mehr Umsatz bei gleichem Aufwand erzielen. Vor allem die deutsche Industrie hat inzwischen den Mehrwert einer digitalen Produktion verstanden. Es gibt hierfür überzeugende Lösungsansätze, wie sie zum Beispiel Axoom (Trumpf-Gruppe), Hewlett-Packard Enterprise oder das Startup-Unternehmen relayr anbieten. Die Herausforderungen, die mit der manuellen Auftragserstellung und -bearbeitung verbunden sind, lösen diese Angebote jedoch nur unzureichend.

KREATIZE baut derzeit den weltweit größten digitalen

B2B-Marktplatz für die Produktion von Prototypen und Kleinserien auf.

Dabei bietet eine Digitalisierung auch bei komplexeren Problemen einen großen Mehrwert für Lieferanten und Kunden. Dies hat KREATIZE erkannt und gemeinsam mit Partnern aus der verarbeitenden Industrie eine Softwarelösung entwickelt. Darüber hinaus bietet das Unternehmen einen digitalen B2B-Marktplatz, auf dem Kunden aus den Branchen Maschinenbau, Automobilindustrie, Medizintechnik und Luftfahrt mit wenigen Klicks Zugriff auf ein globales Lieferantennetzwerk erhalten. Dort können sie Anfragen stellen und Aufträge platzieren, also ihr Supply-Chain-Management digitalisieren. Für Lieferanten bietet KREATIZE eine umfassende Lösung, die folgende Bestandteile enthält: Erstellen eines Online-Profils zur Erhöhung der Reichweite und Bekanntheit, die Digitalisierung der Maschinen- und Materialdaten und die automatische Erstellung von Angeboten. Ziel ist es, die Lieferanten dabei zu unterstützen, dass manuelle und damit personalintensive Prozesse automatisiert und digitalisiert werden. Der Mehrwert für die Kunden liegt in der Reduzierung des Zeitaufwands und der Kosten. Einer der zentralen Merkmale der Softwarelösungen von KREATIZE ist der intelligente Algorithmus, der auf Basis von 3D-CAD-Dateien unter anderem die Herstellbarkeit in den additiven Verfahren wie CNC-Fräsen, Drehen und Gussverfahren analysiert und anschließend eine Kostenkalkulation auf Grundlage dieser Informationen durchführt.

Digitale Datenbank erfasst alle wichtigen Faktoren

Derzeit ist es in den meisten mittelständischen Unternehmen eine umfangreiche digitale Datenbank zur Erfassung aller relevanten Faktoren nicht vorhanden. Eine vollständige Digitalisierung der Produktionsverfahren, -materialien und -maschinen wird erst durch eine intelligente, selbstlernende Software möglich. KREATIZE hat dazu eine umfassende Datenbank aufgebaut, die täglich größer wird. Außerdem hinterlegt jeder Lieferant in dem Netzwerk ein Profil seiner Maschinen sowie die eingesetzten Werkstoffe sowie Toleranzen und Max-Min-Werte für Bauteilgrößen, Gewicht und Wandstärken. Anhand dieser Informationen wird geprüft, ob der Lieferant das Bauteil fertigen kann. Lieferanten erhalten dadurch nur Anfragen von Kunden, die grundsätzlich mit ihren Maschinen und Materialien herstellbar sind. Außerdem ermittelt die Software einen sogenannten Komplexitätsfaktor, der den Lieferanten auf komplexe und kritische Stellen in dem jeweiligen Bauteil hinweist. Insgesamt wird so die Relevanz der Anfragen erhöht und die Auftragsgewinnungsquote gesteigert. Darüber hinaus bietet die Software dem Lieferanten verschiedene, individuell anpassbare Costing- und Pricing-Modelle. Entsprechende Materialpreise, Nachbearbeitungs- und Werkzeugkosten können auch hinterlegt werden, um den Preis zu ermitteln. Dabei werden die Komplexität des Bauteils, die Bearbeitungszeiten, die Materialkosten und die Nachbereitungsschritte simuliert. Über eine Schnittstelle (API) mit dem bereits vorhandenen ERPSystem oder über das Produktionsplanungstool von KREATIZE kann so der genaue Liefertermin ermittelt werden. Lieferanten zufolge sind die Einsparungen in der Angebotsbearbeitung schon jetzt spürbar. So lässt sich die durchschnittliche Bearbeitungszeit von acht Stunden auf unter eine Stunde senken. Insgesamt werden die Kosten um 98 Prozent reduziert. Und der Kunde muss auf das Angebot nicht mehr 21 Tage warten, sondern erhält es innerhalb von zwei Tagen. Ziel von KREATIZE ist es, die Entwicklung der Software und des Algorithmus weiter zu verfeinern und so noch stärker an die Bedürfnisse der Lieferanten anzupassen. Damit leistet der Anbieter einen Beitrag zur Digitalisierung der verarbeitenden Industrie, um die Herstellung von Bauteilen deutlich zu erleichtern.

Der Digitalisierungsprozess beinhaltet die Angebotsanfrage und -bearbeitung für Lieferanten und ihre Kunden.

Veröffentlicht im Digital Manufacturing, am 18.11.2016. Autor: Simon Tüchelmann, CEO und Co-Founder von KREATIZE® GmbH. Wenn Du mehr über KREATIZE erfahren möchtest, melde dich doch einfach zu unserem Newsletter oder bestelle Prototypen und Kleinserien noch heute.

Simon Tüchelmann
Simon TüchelmannCo-Founder & CEO bei kreatize GmbH.

2018-04-26T12:02:37+00:00November 22nd, 2016|Digitalization, Disruptive Innovation, On-Demand Manufacturing|