Smart Factories sind die Zukunft der Fertigung. Woran scheitern Unternehmen bei der Umsetzung?

Veröffentlicht von Tamara Tüchelmann am 15.Mai, 2018.

Am 27. April 2018 fand unser zweiter Mittelstandstag der Fertigung in Tübingen statt. Das Thema des Tages war die Zukunft der Fertigung. An diesem Tag haben die Teilnehmer unter anderem die Walter AG besucht. Besonders spannend war dort der Einblick in die Produktion und in das Walter Technology Center, eine Forschungsfabrik für Fertigungslösungen der Zukunft. In dieser Smart Factory sind auf 5000 m² alle Prozesse digital miteinander vernetzt und kommunizieren in Echtzeit miteinander. Die Teilnehmer konnten hier sehen, wie eine Smart Factory aussieht, funktioniert und die Produktivität beeinflusst. Besonders der direkte Vergleich zu den Produktionsanlagen von der Walter AG und wie sich Walter mithilfe des Technology Centers auf die Zukunft vorbereitet, war sehr lehrreich.

Wir befinden uns heute in der vierten industriellen Revolution –  dem Zeitalter von vernetzten, intelligenten Systemen. Dies hat für die Fertigungsindustrie unglaubliche Implikationen. Hier einige Thesen zur zukünftigen Entwicklung:

  • Die künstliche Intelligenz wird große Teile des Angebotsprozesses wie die Machbarkeitsprüfung und die Preiskalkulation übernehmen.
  • Durch die On-Demand Fertigung wird die Reduktion des Lagerbestandes ermöglicht, zukünftig wird auch der Nulllagerbestand erreicht werden.
  • Durch Anwendungsprogrammierschnittstellen (APIs) können sich Fertigungsdienstleister untereinander vernetzen, um intelligente Produktionsnetzwerke zu erschaffen.

Ein weiteres großes Schlagwort im Bereich Industrie 4.0 sind Smart Factories. Hier sollen Maschinen und Anlagen mithilfe von Software vernetzt werden, um intelligent miteinander zu kommunizieren und ihre Arbeitsschritte automatisch aufeinander abstimmen zu können. Alle Gegenstände der Fabrik müssen mit Rechenleistung ausgestattet sein, die die Erfassung, Verarbeitung und Weiterleitung von Daten ermöglicht.

Doch wie oben bereits erwähnt, wird bei der Weiterentwicklung der Fokus auch stark auf Produktionsnetzwerke, also die intelligente werks- oder sogar unternehmensübergreifende Vernetzung, gelegt. Durch moderne Fortschritte wie verbesserte Speicherkapazitäten und Netze, (mobile) Applikationen, Big Data und Cloud Computing etc. wird die Entstehung der Smart Factories erst ermöglicht.

Bezüglich des Digitalisierungs- und Datennutzungsgrades liegt die Fertigungsindustrie jedoch noch hinter anderen Branchen. Cloud-Dienstleistungen werden z.B. in geringerem Maße genutzt. Dafür gibt es verschiedene Gründe und Erklärungsversuche:

  • Angst vor Eingriffen in das bestehende System und daraus resultierenden Produktionsausfällen
  • Häufig viele, kleine Verbesserungen, da Investitionen sich über ihre Lebensdauer amortisieren müssen
  • Unterschiedliche Kultur und Denkweise zwischen Produktions-, Logistik- und IT-Mitarbeitern

Daneben gibt es noch viele weitere Gründe wie technische Faktoren, Akzeptanz- und Vertrauensprobleme sowie klassische Innovationsprobleme.  Viele Unternehmen sehen noch einiges an Optimierungsbedarf in der Vernetzung von Unternehmensprozessen und bewerten das Stammdatenmanagement und die Datenqualität zunehmend als Herausforderung. Die Boston Consulting Group stellte in einer Studie fest, dass Produktionsunternehmen KI als entscheidenden Hebel für den Aufbau von Smart Factories sehen. Die Umsetzung hat jedoch nicht mit den Erwartungen Schritt gehalten, zumal viele Unternehmen die vier Schlüsselelemente für KI nicht haben: eine Strategie (einschließlich einer umfassenden Roadmap), ein Governance-Modell für die Implementierung, relevante Mitarbeiterkompetenzen und eine unterstützende IT-Infrastruktur. Die Entwicklung hin zur Smart Factory ist demnach alles andere als eine leichte Aufgabe, doch es gibt schon einige sehr positive Beispiele bspw. von ThyssenKrupp, Siemens oder Festo.

Auf dem Weg zur Smart Factory sehen sich die Unternehmen bzw. deren Management mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert, die es zu bewältigen gilt. Neben der technischen Umsetzung und Managementthemen sind dies auch Diskussionen über Sicherheits- und Kulturfragen. Wer sich diesen Herausforderungen stellt, kann jedoch großartige Ergebnisse erzielen, indem er die Effizienz steigert, Kunden einen größeren Nutzen bietet und vieles mehr. Die Investitionen und Anstrengungen sind groß, langfristig jedoch sehr lohnenswert und höchstwahrscheinlich auch notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

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Tamara Tüchelmann
Tamara TüchelmannMarketing & Communications bei KREATIZE® GmbH.

By |2018-11-09T16:58:50+00:00Mai 11th, 2018|Unkategorisiert|